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Interview

BrokeSingerCris: Wenn aus Covers plötzlich ein internationales Skatepunk-Projekt wird

BrokeSingerCris: When covers suddenly turn into an international skate-punk project

BrokeSingerCris mit Gitarre
Bild: Burg hat das Ding aus den asozialen Medien geklaut.

Es gibt Instagram-Accounts, über die scrollt man drüber, nickt kurz innerlich und ist nach fünf Sekunden wieder weg.

Und dann gibt es Accounts, bei denen man eigentlich nur mal eben einen Song anchecken wollte... und plötzlich hängt man eine halbe Stunde später immer noch am Handy.

Genau so ging es mir mit BrokeSingerCris.

Wer jetzt denkt: "Ach komm, noch ein Typ mit Akustikgitarre, der Punkklassiker nachspielt", liegt ziemlich weit neben der Spur.

Denn Cris macht zwar Coverversionen, aber eben nicht die üblichen Verdächtigen, die schon tausendmal durchgenudelt wurden. Stattdessen gräbt er Songs aus, bei denen selbst Szenekenner manchmal kurz nachdenken müssen. Und als wäre das nicht schon nerdig genug, holt er sich regelmäßig Sänger und Musiker bekannter Skatepunk-Bands mit ins Boot.

Beim Pulley-Klassiker "Gone" sind unter anderem Mitglieder von The Decline, Strike 12, Fine Dining, Sic Waiting und Ex Chaser dabei. Auch Musiker von Authority Zero, Ten Foot Pole und vielen anderen tauchen immer wieder in seinen Videos auf.

Da musste ich natürlich wissen, wie aus so einer Idee eigentlich so ein kleines internationales Skatepunk-Ding wird.

Also habe ich Cris angeschrieben.

"Warum eigentlich kein WIZO?"

Eines seiner aufwendigsten Projekte ist ein Tribute an den legendären Sampler Short Music for Short People.

Sechs Songs, jede Menge Gastmusiker und alles zusammen in gerade einmal rund drei Minuten.

Nur eine Band fehlt.

WIZO.

Das konnte ich natürlich nicht einfach so stehen lassen.

RandaleFUNK: Auf deinem Short Music for Short People-Tribute... warum eigentlich kein WIZO? Deutschland ist kurz davor, offiziell Beschwerde einzulegen.

Cris lacht über die Frage und erklärt, dass das Projekt ursprünglich deutlich größer geplant war.

Er habe zunächst sieben oder acht Lieblingssongs ausgewählt, dann aber gemerkt, wie schwierig es sei, Musiker für 30-Sekunden-Aufnahmen zu gewinnen und anschließend alles sauber zusammenzumischen.

WIZO habe es tatsächlich unter seine persönlichen Top Ten geschafft.

Am Ende mussten aber Entscheidungen getroffen werden - und AFI sowie Fury 66 waren ihm einfach noch ein Stück wichtiger.

"Warum klingt Rancid so... gebügelt?"

Auch sein Cover von Tattoo hat mich kurz aus der Kurve getragen.

Nicht, weil es schlecht wäre.

Sondern weil es für einen Rancid-Song fast schon verdächtig sauber klingt.

RandaleFUNK: Wolltest du Tattoo bewusst so glatt und sauber anlegen oder kannst du einfach nicht richtig schön verrotzt singen?

Für Cris war die Antwort ziemlich eindeutig.

Er wolle nie versuchen, das Original eins zu eins nachzubauen.

Sein Ziel sei immer, einem Song eine neue Perspektive zu geben.

Dass der Refrain so sauber klingt, liege unter anderem an Jason Devore von Authority Zero, der genau diesen Charakter in den Song gebracht habe.

Wer sich seine anderen Covers anhöre, merke allerdings schnell, dass er durchaus auch anders könne.

Ein Pulley-Song, an den man sich erstmal rantrauen muss

Als alter Skatepunk-Nerd musste ich natürlich auch über Gone sprechen.

Für mich ist das einer dieser Songs, bei denen sofort Bilder im Kopf angehen: Skateparks, Sommer, kaputte Knie und Shirts, die mindestens zwei Nummern zu groß waren.

Gerade deshalb finde ich die Nummer mutig.

Nicht, weil man sie nicht covern dürfte.

Sondern weil man sich als Skatepunk-Fan automatisch fragt, ob so ein Brett als Akustikversion überhaupt funktionieren kann.

Interessanterweise war Gone sogar vor den Akustik-Covern da.

Die Idee sei gewesen, pro Band genau einen Song auszuwählen - möglichst keinen offensichtlichen Hit.

Bei Pulley wollte Cris deshalb ursprünglich If und Cashed In umgehen.

Gemeinsam mit Joe von Strike 12 entschied er sich schließlich sogar für ein alternatives Tuning, das besser zu seiner Stimme passte.

Die Verbindung zu Pulley reicht übrigens bis ins Jahr 2008 zurück.

Seitdem ist der Kontakt nie ganz abgerissen und einige der Musiker waren später bereit, bei seinen Projekten mitzuwirken.

Besonders Mike Harder gehört heute zu seinen wichtigsten Partnern bei den Akustik-Covern.

Warum macht man sich diesen Wahnsinn überhaupt?

Irgendwann musste natürlich die große Frage auf den Tisch.

Warum steckt jemand so viel Zeit, Energie und wahrscheinlich auch Nerven in Covers, Gastmusiker, Studioaufnahmen und den ganzen organisatorischen Rattenschwanz?

Instagram-Ruhm?

Monetarisierung?

Oder doch ein kleiner, liebevoll gepflegter Narzissmus mit Punkrock-Filter?

Die Antwort fiel erstaunlich bodenständig aus.

Cris singt seit rund 25 Jahren in Bands.

Was ihn immer frustriert habe:

Alle paar Jahre einmal ins Studio.

Mehr nicht.

Während der Corona-Zeit wollte er das ändern.

Er fing an, Freunde anzuschreiben, gemeinsam Songs aufzunehmen und sich musikalisch auszutoben.

Als die Pandemie vorbei war, hörte er einfach nicht mehr auf.

Heute beschreibt er das Projekt als "sein kleines Baby".

Nicht wegen Geld.

Denn verdient habe er damit bisher praktisch nichts.

Sondern weil er Musik machen, sich weiterentwickeln und mit Menschen zusammenarbeiten möchte, die dieselbe Leidenschaft teilen.

Einer der schönsten Momente sei für ihn, wenn Musiker, zu denen er früher aufgeschaut habe, seine Cover hören, sich darüber freuen und ihm das auch zeigen.

Und ja...

Natürlich spielt auch die Liebe zum 90er-Skatepunk eine ziemlich große Rolle.

Und was ist eigentlich typisch deutsch?

Zum Abschluss musste natürlich noch eine Frage raus, die offiziell völlig unwichtig ist, in Wahrheit aber alles entscheidet.

RandaleFUNK: Was ist eigentlich typisch deutsch?

Seine spontane Antwort:

"Well... I work at Trader Joe's, so I'd say Trader Joe's is German."

Okay.

Damit hatte ich jetzt wirklich nicht gerechnet.

Ehrlich gesagt hatte ich eher mit Bier, Lederhosen oder David Hasselhoff gerechnet.

Fazit

BrokeSingerCris macht keine Cover, weil ihm die Ideen für eigene Songs ausgegangen sind.

Er baut kleine Liebeserklärungen an eine Szene, die ihn seit Jahrzehnten begleitet.

Mit Gastmusikern, ungewöhnlichen Songauswahlen und einer Menge Herzblut zwischen Skatepunk-Nostalgie und internationalem Freundeskreis.

Wer mit Skatepunk der 90er groß geworden ist, sollte seinem Account definitiv mal einen Besuch abstatten.

Nicht, weil dort jemand den nächsten Algorithmus-Hit jagt oder glaubt, die Originale toppen zu müssen.

Sondern weil man bei jedem Song hört, dass hier jemand genau dieselbe Musik liebt wie wir - und einfach Bock hat, diese Begeisterung mit anderen zu teilen.

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Prost.